"Wacht an der Donau!", Marsch von C. M. Ziehrer

Die Zeit Carl Michael Ziehrers (1843–1922) als Militärkapellmeister des k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 4 „Hoch- und Deutschmeister“ von 1885 bis 1893 war zweifellos die erfolgreichste Phase seines Lebens. Zugleich kann diese Epoche als eine der bedeutendsten Perioden der Militärmusik in der Donaumonarchie gelten. Zahlreiche herausragende Werke entstanden in diesen Jahren, darunter auch der Marsch Wacht an der Donau! op. 385.

 

Der Musikforscher Max Schönherr wies auf die Titelparallele zu Max Schneckenburgers Lied Wacht am Rhein (Musik von Karl Wilhelm) hin. Die Uraufführung des Marsches Wacht an der Donau! fand am Sonntag, dem 20. März 1887, in Dreher’s Etablissement in der Landstraße Nr. 97 im 3. Wiener Gemeindebezirk statt; die Abbildung zeigt die Ankündigung im Wiener Fremden-Blatt dieses Tages. Das 1859 eröffnete weitläufige Lokal mit Garten (alleine im Dreher-Saal fanden 3000 Personen Platz) war nach dem österreichischen Industriellen Anton Dreher benannt, dem Gründer eines internationalen Brauereiimperiums. Dreher erfand das Wiener Lagerbier; der Bierstil „Vienna Lager“ wird bis heute weltweit gebraut. Dreher’s Etablissement war das Stammlokal der Musik der „Hoch- und Deutschmeister“, die dort besonders häufig auftrat.

 

Die erste Notenausgabe des Marsches Wacht an der Donau! erschien für Klavier zu zwei Händen am 2. Mai 1887 im Wiener Musikverlag Ludwig Doblinger. Das farbige Titelblatt zeigt die „Austria“ mit gezücktem Schwert, auf das Wappen des Herzogtums Österreich unter der Enns (heute Niederösterreich) gestützt. Von den Höhen des Kahlenbergs blickt sie auf die dahinströmende Donau; über dem Bild schwebt der Doppeladler als Symbol Österreich-Ungarns.

 

Walter Schwanzer hat diesen klangschönen Marsch für modernes Blasorchester bearbeitet; das Arrangement erschien in den Walter Schwanzer Musikverlagen und kann auf der Seite des Verlages teilweise online angehört werden. Das Original C. M. Ziehrer-Orchester unter der Leitung von Hans Schadenbauer hat den Marsch für Streichorchester eingespielt; diese Aufnahme ist unter anderem auf YouTube und Spotify verfügbar.

 

Quellen: Wiener Fremden-Blatt, 20. März 1887; Max Schönherr, Carl Michael Ziehrer. Sein Werk – sein Leben – seine Zeit. Wien: Bundesverlag, 1974, S. 322–324.