Alfons Czibulka (1842-1894; Abbildung aus der Deutschen Kunst- & Musikzeitung vom 24. Mai 1880 am Titelblatt)) wurde vom Musikschriftsteller Eduard Anton Große (auch „Grosse“) 1903 als der „bedeutendste Militärkapellmeister bis jetzt“ bezeichnet. Er ging 1880 bei der Internationalen Militärmusikkonkurrenz in Brüssel siegreich hervor und galt als hervorragender Dirigent und Klaviersolist. Czibulka hatte auch als Operettenkomponist mit Pfingsten in Florenz große Erfolge; die Titelrolle des Fra Bombarda spielte Alexander Girardi. Seine der österreichischen Kronprinzessin Stephanie gewidmete Stephanie-Gavotte gehört zu den populärsten Werken der Salonmusik des 19. Jahrhunderts.
Den Erzherzog-Friedrich-Marsch op. 286 komponierte Alfons Czibulka (1842-1894) während seiner Zeit als Militärkapellmeister beim K.u.K. Infanterie-Regiment Nr. 25 in Prag von 1872 bis 1880, wo mehr als einhundert Werke, v. a. Tanzkompositionen und Märsche entstanden. Das Wiener Fremden-Blatt schrieb am 28. Oktober 1894 im Nachruf, dass Czibulka in Prag „den Grund zu seinem großen Rufe“ geschaffen habe und sich seine „beliebten Tanzkompositionen durch selbständige Gedanken und interessante Orchestrirung“ auszeichnen.
Der Erzherzog-Friedrich-Marsch ist im Mai 1878 im Prager Musikverlag Wetzler als Klavierausgabe (Abbildung Titelblatt und erste Notenseite) erstmals erschienen, im selben Jahr wurden auch Editionen für Militärmusik und Streichorchester veröffentlicht. Die „Orchestral Art Music Publications“ weisen auf ihrer Homepage auf eine mögliche Uraufführung des Marsches in „Schary’s Gartenrestauration“ am Carlsplatz in Prag am 9. Mai 1878 im Rahmen des „Großen Militär-Concerts“ hin, das auch im Prager Tagblatt dieses Tages auf Seite 7 angekündigt wird. Das Musikalische Conversations-Lexikon von Mendel-Reissmann (Ergänzungsband, 1883, S. 73) erwähnt, dass dieser Marsch „in der ganzen oesterreichischen Armee gern gespielt“ wird.
Czibulka widmete den Marsch „Sr. Kais. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Friedrich von Österreich, k.k. Major im 25. I.R.“. Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl Erzherzog von Österreich (auch Friedrich von Österreich-Teschen; 1856-1936; Abbildung unten in jungen Jahren) war ab 1914 Feldmarschall, Heerführer im Ersten Weltkrieg, Großgrundbesitzer und Unternehmer. Seine Betriebe hatten teilweise sogar fast eine Monopolstellung - so stammte etwa ein großer Teil der in Wien verkauften Milch von seinen Gütern. Er war einer der reichsten Habsburger und vermögender als der Kaiser Franz Joseph selbst, der sein Cousin war.
Erzherzog Friedrich war seit 1879 Regimentsinhaber des K.u.K. Infanterie-Regiments Nr. 52, nach Emil Rameis (Die österreichische Militärmusik bis 1918, Tutzing 1976, S. 158) ist der Erzherzog-Friedrich-Marsch Regimentsmarsch der „52er“; heute ist er Traditionsmarsch der Heeresunteroffiziersakademie in Enns in Oberösterreich.
Unter dem Titel Friedrich-Marsch ist dieser Marsch im Wiener Musikverlag Kliment für Blasorchester erschienen, eine weitere Ausgabe gibt es in den „Orchestral Art Music Publications“, die auch in YouTube zu hören ist. In Spotify ist auch eine Aufnahme der „Hoch- und Deutschmeister“ unter Julius Herrmann verfügbar.
Literatur: Friedrich Anzenberger, Alfons Czibulka. Militärkapellmeister und Komponist, Wien: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, 2000; Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950
