Anton Klemm, Kapellmeister der Hoch- und Deutschmeister - zum 175. Geburtstag

Anton Klemm kam vor 175 Jahren am 9. Jänner 1844 in Biblin in Böhmen zur Welt. Dies geht aus seinem Personalakt in der Abteilung Kriegsarchiv im Österreichischen Staatsarchiv Wien hervor.

 

Klemm diente ab 1860 bei verschiedenen Infanterie-Regimentern, bevor er 1871 zu den Hoch- und Deutschmeistern kam. Mit 1. Jänner 1873 wurde er zum Feldwebel befördert. 1879 wurde er hier beim Infanterie-Regiment Nr. 4 Kapellmeister und war in Cattaro (Küstenland, jetzt Kotor in Montenegro), ab 1881 in Innsbruck und ab 1882 in Wien stationiert.

 

Aus seiner "Conduite-Liste" im Personalakt geht hervor, dass er ein "vorzüglicher "Clarinettist [und] Compositeur" war, der als Kapellmeister "sehr gute Resultate" erzielt. Trotzdem wurde Klemm zum Jahresende 1883 vom Regiments-Kommando gekündigt; die Gründe dafür sind auch aus den erhaltenen Protokollen der Musik-Kommission des Infanterie-Regiments Nr. 4 (Kriegsarchiv Wien, dem Nachlass von Emil Rameis angegliedert Signatur B/796)  nicht ersichtlich. Klemm übernahm ab 1884 die Militärkapellmeisterstelle beim Infanterie-Regiment Nr.  21, bis er 1898 wegen "hochgradiger Herabsetzung der Sehschärfe an beiden Augen" pensioniert wurde. 

 

Militärkapellmeister Anton Klemm starb am 8. Februar 1920 in Kuttenberg in Böhmen (heute Kutná hora, Tschechische Republik).

 

Mehr als ein Dutzend Kompositionen - fast ausschließlich Märsche - sind bekannt; Anton Klemm schrieb für die Garnisonsorte bzw. für die erfolgten Garnisonswechsel des Infanterie-Regiments Nr. 4 eigens Märsche, darunter einen Cattaro-Marsch, und Nach Wien (1882) sowie einen Hoch- und Deutschmeister-Marsch,  (Abbildung oben). Weiters komponierte Klemm einen Operettenmarsch, der dem "löbl. Offizierscorps des k. k.. Inf. Reg. Nr. 4" gewidmet ist. Der Militärmusikforscher Fritz Rathner nennt auch einen dem Regimentskommandanten gewidmeten Borosini-Marsch

 

Bedeutendstes Werk ist vielleicht der Marsch Nach Innsbruck anlässlich des Garnisonswechsels  von Cattaro nach Innsbruck . Eine Klavierausgabe erschien bei Johann Gross in Innsbruck (1881/1882). Dieser Marsch erreichte mehrere Auflagen, und war auch im Repertoire anderer Kapellen zu finden, so z. B. beim Infanterie-Regiment Nr. 84 unter Karl Komzák jun. (Wienbibliothek, Nachlass Eduard Pfleger, Signatur VII/23). Der Marsch wurde auch auf Schellack aufgenommen (Schellack-Marschperlen 1, Südtiroler und Tiroler Märsche, Walter Schwanzer Musikverlage, Katalog-Nr. 71217).

 

Quellen: Symposiumsbericht - Symposium "Musik der 'Hoch- und Deutschmeister' in der Donaumonarchie", herausgegeben von Friedrich Anzenberger, Spittal/Drau 2016, S. 35-37.